Selbstwahrnehmung ist eine seltsame Sache

Heute Abend war Ich mal wieder zur Wirbelsäulengumminastik, dehnen, strecken, stöhnen, schwitzen. Und dabei fiel Mir etwas für Mich durchaus interessantes auf (von ein zwei lecker anzusehenden Mädels mal abgesehen ;-) ): Da steh ich mit gut 20 Leutchen aller Alterklassen und beiderlei Geschlechts im “Gym”. Und seh die Gruppe in der grossen Spiegelwand vorne. Und frage Mich: was ist das da für ein Koffer in der Mitte, der Typ mit Oberarmen wie andere Leute Waden haben, und mehr als einen Kopf grösser und breiter als jeder andere im Saal? So gross bin Ich doch garnich?! Oder? Zumindest komm Ich Mir selber nicht so vor. Ich find das irgendwie derb. Ich mein es ist klar, das man sich selber anders wahrnimmt, aber so im direkten Vergleich mit anderen Leuten kann man durchaus Überraschungen erleben. Irgendwie lustig :-)

Der Seelenbaum

Irgendwo im Lebensraum,
steht unter Novemberwolken,
tief im öden hier und jetzt,
der Seelenbaum.

Die Krone,
ohne Blätter,
nackt zerfetzt,
umflattert von Gedankenraben,
die Äste abgebrochen,
von Sorgenspinnen,
ganz benetzt.

Der hohle Stamm,
gebeugt,
verdreht,
voll wunder Risse,
umrankt von Trauerrosen,
die mit scharfen Dornen,
ihn liebkosen.

Rinde verklebt,
mit Tränenharz,
schwarz wie Blut geronnen,
quillt aus alten Schrunden,
glitzert kalt wie Quarz.

Die Wurzeln morsch und taub,
zernagt von Grübelratten,
tief gekrallt,
wie bleiche Knochen,
in den sauren Staub.

Er ächzt und wankt so alt,
es lacht kalt,
die schwarze Dame,
die ihn hegt,
und tanzt,
in seinem Schatten.